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Kunstvolle Verstrickungen

Ateliers in der Südstadt:

Unter diesem Titel stellen wir Ihnen Künstlerinnen und Künstler vor,die sich die Südstadt nicht nur zum Leben, sondern auch zum kreativen Arbeiten ausgesucht haben.Wir sind dabei auf interessante Menschen und spannende Geschichten gestoßen.

Den Anfang macht Leonie Böhnel, die wir in ihrem Atelier in Lichtenhof besucht haben. Spätestens wenn man die skelettierten Köpfe von Mäusebussard, Kernbeißer und Katze betrachtet,die samt eines leeren Schildkrötenpanzers als "Fundstücke" in einer kleinen Schale liegen,spätestens dann weiß man, dass die gelernte Keramikerin Leonie Böhnel (Jahrgang 1960) eine Künstlerin ist, die sich mehr vorgenommen hat als klassisches Teegeschirr oder Blumenvasen zu kreieren.
"Ich befasse mich mit den Abläufen von Werden, Sein und Vergehen", sagt die sympathisch offene Künstlerin, die zusammen mit ihrer elfjährigen Tochter einen kleinen,ehemaligen Laden samt Werkstatt in der Anne-Frank-Straße bewohnt.

Wie sie ihr "Refugium" gefunden hat? Sie hat einfach Zettel an leere Schaufenster in der Südstadt geklebt und war ziemlich erstaunt, dass fast alle Besitzer geantwortet haben. Und so kann sie nun auf ideale Weise Wohnen und Arbeiten verbinden. Nach Trennung und "Neufindung"spricht Leonie Böhnel allerdings von "grauen Zeiten", die sie vor vier Jahren zunächst in ihrem neuen Umfeld erlebt hat. Entsprechend grau waren auch die Werke aus dieser Zeit - unter anderem eine Totenmaske aus Pappmachée, umwickelt mit Baumwollgarn.

Mittlerweile hat sie erkannt, dass man nicht unbedingt eine gemeinsame Sprache braucht,um sich zu verstehen. Heute freut sie sich über den herzlichen Augenkontakt mit ihren ceylonesischen Nachbarinnen oder über die bunten Sprachfetzen, die herüberhallen, wenn sich der Nachbar auf spanisch mit dem mexikanischen Mitbewohner aus dem ersten Stock unterhält. Und auch die immer freundlichen Bäckereiverkäuferinnen oder die erstaunlich rücksichtsvollen Radfahrer im Stadtteil jenseits der Bahnlinie tragen dazu bei, dass sich Leonie Böhnel in ihrer Umgebung wohl fühlt. 

Fasziniert vom Abstrakten

Seit 2001 ist sie mit ihrem "Wolle-Workshop" für Kinder ein fester Bestandteil des Kinder-Kunstraums auf dem Südstadtfest. Durch das Arbeiten mit Papier und Wolle will sie den Kindern und Jugendlichen das Gefühl der "Erdung" vermitteln - ein sinnliches, haptisches Erleben von Material und Werk. "Die Kinder waren so hungrig aufs Arbeiten, als ich sie zum ersten Mal eingeladen habe, zusammen einfache Wollbilder zu schaffen. Selbst Jungs und Väter waren von der Idee des gemeinsamen Gestaltens angetan." Von diesem Erfolg ermuntert, arbeitet Leonie Böhnel jetzt an Kurskonzepten für das Bildungszentrum. Ab dem Frühjahrssemester 2007 kann man ihre Angebote wahrnehmen.

Als Künstlerin hat Leonie Böhnel über das Arbeiten mit Textilien und Ton auch zur Malerei gefunden: So absolvierte sie von 2001 bis 2003 ein intensives Studium Bildende Kunst an der freien Akademie in Stein und ist seit dieser Zeit auch Mitglied in der fränkischen Abteilung des Verbandes der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfreunde (GEDOK Franken e.V.).Nicht die gegenständliche Malerei, sondern die abstrakte Kunst ist es, die sie fasziniert und für die sie sich in der Akademie das handwerkliche Rüstzeug und die nötige Orientierung holte. Und doch erinnern auch ihre Bilder wiederum an all die Beziehungsgeflechte, in die das Individuum verwoben, verstrickt, verfilzt ist und die sie in ihrem Schaffen sichtbar machen möchte. So wie in dem Dreier-Zyklus "Der Rote Faden" - rote Textil-geflechte auf drei rechteckigen Keramikplatten, die im Flur hängen. Oder die Arbeit "Zeitrahmen - Zeitfenster", aus Heißkleber geschaffene Bilderrahmen aus dem Jahr 2004, die einladen, die leere, gerahmte Fläche mit eigenen Visionen zu füllen. 

Vom Kunsthandwerk zur Kunst

Ganz anders und witzig sind dagegen die kleinen schwarz-weißen Illustrationen, die sie für das Mitgliedermagazin des Nürnberger Montessori-Trägervereins zeichnet. Eine weitere, unerwartete Facette aus dem künstlerischen Schaffen Leonie Böhnels. Neu sind ihre Objekte für die Ausstellung "Einblick - Ausblick - 80 Jahre CEDOK" im Nürnberger Kunsthaus: Dunkle Tonkörper, zum Teil versehen mit weißen Glasurabdrücken, die an Pusteblumen erinnern. Oder ein braun-tönernes, aufgeschlagenes "Gedankenbuch", dessen eingeritzte Worte man zwar sehen, aber nicht lesen kann, weil die Buchstaben in- und übereinander stehen.Doch auch in solchen Strukturen erkennt man Leonie Böhnels Suche nach dem Sinn, nach einem Ausdruck, sich selbst zu bestimmen. Daneben stehen hellgraue Schalen, deren Oberflächen, geritzt und mehrfach verändert, zum Berühren einladen. Und was hat es mit den skelettierten Vogelschädeln auf sich? Der Kernbeißerkopf wurde mit Wachs überzogen und war Vorbild für eine Reihe von fünf "Handschmeichlern" - immer kleiner werdende Köpfe aus Ton, die zum Berühren, zum In-die-Hand-nehmen, auffordern. Da verliert "das, was übrig bleibt", sein Gruseln, lädt zum Befühlen ein.

Leonie Böhnel hat den sicher nicht leichten Weg vom Kunsthandwerk zur Kunst bewusst gewählt und beschritten. Dies spiegelt sich in all ihren Arbeiten wieder. Sie hat sich aus der Werkstatt mit Verkaufstresen befreit und geht nun ihren inneren Bildern nach, die sich auftun und schon fertig sind, wenn sie eine Arbeit beginnt. Man darf gespannt sein, was aus diesem Innern noch kommt. 

Karin Jungkunz
Fotos: Uwe Niklas 

Die Ausstellung der GEDOK Franken e.V. mit Arbeiten von Leonie Böhnel "Einblick - Ausblick - 80 Jahre CEDOK" im Nürnberger Kunsthaus dauert vom 1. bis 29. Oktober 2006. Die Vernissage ist am 1. Oktober um 11.00 Uhr, die Öffnungszeiten sind Di - So 13 bis 18. Uhr.  

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Leonie Böhnel • Gumbinnerstr. 13; 90411 Nürnberg  |  info@leotonie.de